
Politik und Individuum:
Gibt es richtiges und falsches Deutsch?
Die deutsche Sprache ist außerordentlich facettenreich. Es gibt Alltagsdeutsch, Dialekte, Jugend-, Verwaltungs-, Bildungsdeutsch, Fachsprachen und noch viel mehr. Die Variationen um das Beispiel „Des Kaisers neue Kleider“ bringen es auf den Punkt. Fragt sich aber: Welchen Bedeutungsunterschied gibt es zwischen den verschiedenen Übersetzungen des dänischen Originals? Warum kann man argumentieren, dass letztendlich alle vier Formen 'korrekt' sind? Und wer bestimmt eigentlich, was 'korrektes' Deutsch ist? Die Bildungsministerin der Bundesländer sind sich einig: Das sprachliche Lernziel in unseren Schulen ist Bildungsdeutsch, Abweichungen sind zu korrigieren.
Schauen wir doch einmal auf den Zusammenhang von sprachlicher Norm, Status, Prestige und sozio-ökonomischem Erfolg. Wie hat alles angefangen mit der Entwicklung einer sprachlichen Norm für Deutsch?
- 14.–16. Jahrhundert: Deutsch löst Latein als Schriftsprache ab. Welcher Dialekt hat die größte Macht, um als Norm für die Schriftsprache akzeptiert zu werden?
- 16. Jahrhundert: Vereinheitlichung der deutschen Dialekte als Schriftsprache durch Martin Luthers Bibelübersetzung
- Dreißigjähriger Krieg: Deutsch als Nationalsprache?
- Ende des 19. Jahrhunderts: Soll die Sprachwissenschaft 'vor'-schreiben oder 'be'-schreiben?
Abschließend sprechen wir in diesem Vortrag über den Zusammenhang von Ideologie, sprachlicher Norm und Macht. Welche Argumente sprechen für und welche gegen eine sprachliche Norm? Und wie sieht ein Vergleich mit unserem französischen Nachbarn aus? Fazit: Grammatik und Macht sind nicht voneinander zu trennen.
