Meine Motivation für das Thema „Macht der Grammatik“
Mein Anliegen ist, sprachinteressierten Menschen näher zu bringen, welche verborgene Wirkkraft die Grammatik in sich trägt. Gerade weil wir uns der Grammatik unserer eigenen Sprache(n) so wenig bewusst sind, ist unsere Aufmerksamkeit mehr auf Wörter und Ausdrücke gerichtet. Diese verstehen wir sofort, und wir können über ihre Bedeutung nachdenken und sprechen, ohne groß Bücher zu wälzen. Ich möchte Ihnen in meinen Vorträgen anschaulich zeigen, dass Grammatik ebenso spannend sein kann.
Wie bin ich zum Thema „Macht der Grammatik“ gekommen?
Viele der Themen meiner Vorträge sind aus meinem Unterricht im Fach „Deutsch als Fremdsprache“ erwachsen. Für nur wenige Lernende ist Grammatik an sich interessant. Daher habe ich in den letzten 40 Jahren Ideen entwickelt, wie ich Grammatik so vermitteln kann, dass sie nicht als trockenes Regelwerk wahrgenommen wird. Ganz im Gegenteil, Grammatik trägt Bedeutung und Sinnhaftigkeit in sich. Sie hat kommunikative und soziale Funktionen, deren wir uns nur meistens nicht bewusst sind.
Warum ist die deutsche Grammatik so, wie sie ist?
Viele Deutschlernende seufzen angesichts des hohen Aufwands, die Grammatik einer neuen Sprache zu lernen. Oft fragen sie frustriert, warum es nicht auch einfacher geht. Bereits in der ersten Woche im Anfängerkurs raufen sich viele die Haare, wenn sie erfahren, dass sie für jedes deutsche Nomen einen der Artikel – der, die oder das – lernen müssen. Geht es nicht auch mit weniger grammatischen Formen, so wie im Englischen!? Und warum hat Deutsch regelmäßige und unregelmäßige Verben!?
Ich finde diese Fragen berechtigt. Lernende sollen nicht nur wissen, WIE die Grammatik funktioniert, sondern auch WARUM sie so ist, wie sie ist. Das Interesse war groß, als ich kurz die sprachhistorische Entwicklung von der, die und das skizzierte. Auch die Erklärung, dass alle Sprachen regelmäßige und unregelmäßige grammatische Formen haben, weil sich jede Sprache verändert, kann Türen öffnen. Denn die unregelmäßigen Formen sind einfach nur die älteren Formen, die sich aus bestimmten Gründen noch halten. Auch diese Gründe interessieren viele Lernende.
Wie unterscheidet sich Deutsch von anderen Sprachen?
Der Unterricht in „Deutsch als Fremdsprache“ wird auch lebendiger, wenn wir die Sprachen der Lernenden mit einbeziehen. Gibt es in den Erstsprachen auch Fälle wie den Dativ? Wie viele Fälle gibt es überhaupt? Die Lernenden mit Erstsprache Englisch staunen dann über Russisch mit sechs und Polnisch mit sieben Fällen, und Finnisch hat sogar 15! Schon erscheint Deutsch mit seinen vier Fällen dann nicht mehr ganz so schwierig. Durch Sprachvergleiche ist schließlich das Thema des Vortrags „Was fehlt in der Landschaft der deutschen Sprache?“ entstanden.
Wo kann Grammatik nützlich eingesetzt werden?
Die Anwendungsgebiete von Grammatik in vielen anderen Wissenschaften und Arbeitsbereichen ist für einige Lernende ein weiterer Türöffner. Relativsätze in einem Erpresserbrief können Anhaltspunkte für den Bildungsstand des Täters geben? Gehirnforscher und Psychologen interessieren sich für die Grammatik-Kompetenz von Delfinen? Die Entwickler der ersten Computersprachen ergründeten die geniale Sanskrit-Grammatik von 500 v. Chr.? Bei den Antworten auf diese Fragen zweifelt niemand mehr an der Wichtigkeit der Grammatik. Diese Diskussionen haben mich zu vielen Themen meiner Vorträge inspiriert.
Wie entstanden die Vorträge?
Im Laufe der Zeit ordnete ich meine zahlreichen Notizen zum WIE und WARUM der deutschen Grammatik, die ich für den Unterricht „Deutsch als Fremdsprache“ gesammelt hatte. Dabei fiel mir auf, dass es bei allen grammatischen Themen nicht nur um faszinierende Lebenswirklichkeiten geht, sondern auch immer um Macht. Menschen haben also schon immer Grammatik als Instrument eingesetzt, um ihre Macht zu stärken. Als ich auch Deutschen über die Macht der Grammatik erzählte, war ich überrascht, dass viele fasziniert zuhörten. Daher möchte ich nun dieses Wissen in meinen Vorträgen zur Verfügung stellen.

