
Geschlecht und Grammatik
Wieso hat im Deutschen jedes Hauptwort (auch 'Substantiv' oder 'Nomen') ein Geschlecht, erkennbar an der, die oder das? Zu dieser Frage präsentiere ich Ihnen zwei Erklärungsansätze.
Der erste ist geprägt von einem patriarchalen Weltbild. Er befasst sich mit dem Zusammenhang von Grammatik und Biologie (der Mann, die Frau, das Kind). Dabei beleuchten wir die Argumente von Jacob Grimm, Gottfried von Herder und anderen Sprachwissenschaftlern aus dem 19. Jahrhundert.
Und warum ist der Mond im Deutschen maskulin, die Sonne aber feminin? In der griechischen und römischen Mythologie hingegen gibt es den Sonnengott und die Mondgöttin (genauso übrigens wie im Französischen und im japanischen Shintoismus).
Beim zweiten Erklärungsansatz geht es um die sprachhistorischen Ursprünge der Artikel in den vergangenen 7.000 Jahren. Dieser Ansatz bietet Antworten auf die folgenden Fragen:
- Wie kam es zum historischen Wandel der Artikel vom Indoeuropäischen bis zum heutigen Deutsch?
- Welche Parallelen in der Bedeutung existieren zwischen Althochdeutsch und Sanskrit?
- Warum haben einige Nomen zwei Geschlechter, z.B. der/das Virus und der/das Kristall?
- Wie erklärt sich der Unterschied zwischen der Mann, die Mannschaft und das Männliche sowie für der Lauf, die Lauferei, das Laufen?
Last. but not least vergleichen wir dann den Verlust der Unterscheidung von der/die/das im Englischen. In diesem Zusammenhang stellt sich abschließend noch eine Frage: Wie geht es weiter im Deutschen mit der, die und das?
